„Jede Krankheit hat ihren besonderen Sinn, denn jede Krankheit
ist eine Reinigung; man muss nur herausbekommen, wovon.“

Bericht über die „Kräuterwanderung an Johanni 2014


Frühmorgens hatte es noch einen ordentlichen Regenguss gegeben, der alle Pflanzen rein gewaschen hat, für eine Kräuterwanderung auf der auch viele Pflanzen gekostet werden - ideal.
Regenkleidung wäre schon besser dachten die meisten Teilnehmer, doch es kam ganz anders. Nur einmal ein kleiner Schauer, der eben reichte um den Regenschirm aufzuklappen - nicht das wir ihn umsonst mitgenommen hätten - ansonsten Sonnenschein und sonntägliche Stille.

Der Weg begann mit einer kleinen Stärkung durch Springkrautsamen und führte uns dann zu einer der „Johannipflanzen“, dem Farn. Die Tropfen auf den Blättern des Farnes glitzerten im Sonnenlicht, das durch die Bäume schien und die Vögel zwitscherten leise.
Ein Teil der Gruppe setzte sich um den Farn, der andere stand und alle lauschten gespannt dem Märchen von dem Farn. Wer genau hinhörte konnte dabei schon einiges lernen über die Heilkräfte in ihm.
Für die Erwachsenen kamen anschließend medizinische und therapeutische Hinweise.
Auch Blaubeeren wurden gesammelt und gegessen auf dieser Wanderung.
Immer wieder blieben wir an interessanten Pflanzen stehen, z.B. gingen wir der Frage nach: “Was haben die Vogelbeeren, der Vogelgesang und die Sänger miteinander zu tun?“
Hier bei uns nicht so häufig zu findende Pflanzen wie Vogelfußwicke besuchten wir trotz der nassen Füße, die es dabei gab.
Die Krönung war natürlich die Begegnung mit dem Johanniskraut, das auf geheimnisvolle Art jedes Jahr weiß, wann Johanni ist. Das Johanniskraut malt die Sonne in ihrer Blüte auf die Erde. Ein Sonnenrad, das sich zu drehen scheint, dazu die zartesten Sonnenstrahlen durch die Staubgefäße gemalt.
Johanniskraut wurde gepflückt und dazu andere Kräuter, die in einen Johannikranz gehören. Wer mochte konnte auch die Blüten und Blätter sammeln für die Herstellung eines Rotöls.

Ein Junge kam mit einer Klettpflanze und wollte wissen, wie die heißt, während er die Kletten in sein Haar abstrich!! Es war die Nelkenwurz, deren würzige Wurzeln dann von allen geschmeckt wurde, nachdem sie ausgegraben und von der Erde gesäubert war. Ungläubiges Staunen bei all denen, die das nicht kannten. Wie viele Heilpflanzen wachsen in unserer unmittelbaren Umgebung still, geduldig und oft nur als Unkraut verschrien. Dazu gehört eine weitere „Johannipflanze“ der Beifuß, dem wir auch begegnet sind in Gemeinschaft mit der Nachtkerze.

Eindrücklich war auch zu erleben, der Gegensatz zwischen der Welt des Waldes und der Welt einer sonnenbeschienenen Wiese…

Johanni stellt den Wendepunkt dar in der Natur und in uns. Das was zunächst in Größenwachstum in Ausdehnung sich ausgelebt hat wird angehalten und wird Blüte, wird Frucht, wendet sich hin zu innerem Reichtum. Wie das zu einem erlebten, erfühlten Wissen werden kann, wenn wir uns gemeinsam auf den Weg machen und uns den Wesen um uns herum zuwenden gerade in dieser Zeit ist für manchen eine neue und beglückende Erfahrung gewesen.

Nach drei Stunden Wanderung und vielen Pflanzenbegegnungen kehrten wir an den Ausgangspunkt zurück und auch die nassen Hosenbeine waren dabei, wieder zu trocknen.

Uta Kirschner




Johanniskraut

Johanniskraut


Johanniskraut

Johanniskraut


Nachtkerze